LGBTQ, CSD & Co – Worum geht's hier überhaupt?

LGBT, GLBT, LGBTQIA+, queer oder trans – viele Begriffe, die unterschiedliche sexuelle Orientierungen beschreiben. Aufsehen erregen jedes Jahr aufs Neue die Veranstaltungen und Demos rund um den CSD, den Christopher Street Day. Dies ist ein Demonstrationstag der queeren Community.

Menschen feiern und schwenken Regenbogenfahnen

In aller Kürze

  • LGBTQIA+ = Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transgender, Queere* oder Intersexuelle und Asexuelle Personen.
  • Gay Pride bezeichnet den stolzen Umgang mit der eigenen sexuellen Identität.
  • Am 28. Juni 1969 wehrten sich Homosexuelle in der Christopher Street in New York erstmals gegen die Polizeigewalt.
  • Niemand soll sich ausgeschlossen fühlen.
* Als Queer bezeichnen sich Menschen, die sich nicht klar einer Geschlechteridentität zugehörig fühlen. Eine allgemein gültige Definition wird allerdings auch in der Community noch diskutiert. Mehr dazu hier.

LGBTQIA+, Geschlechterbegriff und sexuelle Orientierung

LGBTQIA+ ist eine aus dem Englischen übernommene Abkürzung für Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transgender, Queere oder Intersexuelle und Asexuelle Personen. In vielen Ländern wächst die Toleranz für diese Bevölkerungsgruppen innerhalb der Gesellschaft. Trotzdem ist Homosexualität in 78 Ländern noch immer verboten und steht in 8 Ländern unter Todesstrafe. Jedes Jahr werden tausende Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung verfolgt und ermordet. Auch in westlichen Staaten wird sehr unterschiedlich mit sexuellen Orientierungen umgegangen.

Doch was verbirgt sich hinter dem Begriff sexuelle Orientierung?

Grundsätzlich ist erst einmal zwischen Geschlechtsidentität und sexueller Orientierung zu unterscheiden.

  • Geschlechtsidentität beschreibt, welches Geschlecht du hast. Das heißt, ob du eine Frau oder ein Mann bist, ob du ein anderes Geschlecht hast oder ob du dich keinem Geschlecht zuordnest.
  • Sexuelle Orientierung beschreibt hingegen, welche Person(en) jemand liebt. Sexuelle Orientierung ist dabei unabhängig von der Geschlechtsidentität. Zu jedem Geschlecht kann man eine sexuelle Orientierung haben.

Queer kommt aus dem Englischen und galt früher als Schimpfwort für Lesben und Schwule. Jetzt wird dieser Begriff genutzt, um ihm eine positive Bedeutung zuzuschreiben. Queer soll die Vielfältigkeit ausdrücken und vor allem niemanden ausschließen. Eine Person kann sich beispielsweise als queer identifizieren, wenn sie jemanden liebt, der oder die sich nicht (ausschließlich) als weiblich oder männlich identifiziert. Queer wird auch als Begriff genutzt um Menschen zu beschreiben, die nicht heterosexuell und/oder trans sind. Es kann als ein Synonym für LGBTQAI+ verstanden werden.

LGBTQIA+ setzt sich aus den Englischen Begriffen lesbian (lesbisch), gay (schwul), bisexual (bisexuell), transgender (transsexuell), queer, intersexuell und asexuell zusammen. Um weitere Begriffe mit aufzunehmen, ist die Schreibweise mit einem angefügten Plus (LGBTQIA+) üblich. Im Fokus bei dieser Bewegung steht die sexuelle Orientierung. Es geht um Geschlechtsidentität und um (körperliche) Variationen des Geschlechts.

Menschen feiern, Zwei Frauen drehen ihre Gesichter liebevoll zueinander, im Hintergrund sieht man eine Regenbogenflagge
© jana-sabeth-schultz/unsplash

Übersicht einiger sexueller Orientierungen

  • Heterosexualität – Menschen die sich zu Menschen des anderen Geschlechts hingezogen fühlen. Das bedeutet, sexuelles Begehren wird nur für Personen des anderen Geschlechts empfunden.

  • Homosexualität steht mit den Begriffen lesbisch oder schwul in Verbindung. Menschen, die homosexuell sind, fühlen sich zu Menschen des gleichen Geschlechts hingezogen.

  • Bisexualität beschreibt, wenn Menschen sich zu beiden Geschlechtern hingezogen fühlen. Man liebt sowohl Männer als auch Frauen.

  • Pansexualität beschreibt Menschen, die sich grundsätzlich zu allen Menschen, unabhängig von ihrer Geschlechteridentität, hingezogen fühlen können.

  • Asexualität meint das fehlende Verlangen nach Sex. Menschen, die asexuell sind, können natürlich trotzdem eine romantische Beziehung zu anderen Personen haben, sie haben allerdings kein sexuelles Bedürfnis.

  • Transsexuell sind jene Menschen, die sich nicht mit ihrem Geschlecht identifizieren können. Das heißt nicht zwingend, dass diese Menschen sich umoperieren lassen. Oft fallen dann auch die Bezeichnungen Transfrau oder Transmann. Das Wort richtet sich immer nach dem Zielgeschlecht der jeweiligen Person. Hat eine Trans-Person ihr Wunschgeschlecht erreicht, sollte man nicht mehr von Transgender bzw. Transfrau oder -mann sprechen, sondern von Mann oder Frau.
    • Dies hat nichts mit der sexuellen Orientierung zu tun. Transmenschen können bi, schwul, lesbisch, heterosexuell oder etwas anderes sein.

  • Transvestitismus – Menschen, die durch ihre Kleidung und ihr Auftreten ein anderes Geschlecht darstellen, sind transvestit. Damit soll die eigene Persönlichkeit ausgedrückt werden, unterhalten werden oder auch ein politisches Statement gesetzt werden. Drag Queens und Kings sind beispielsweise transvestit.

  • Bei genderfluiden Menschen kann sich die Geschlechtsidentität (mehrmals) im Leben ändern.

  • Cisgender ist hingegen eine Bezeichnung für Menschen, die sich mit ihrem Geburtsgeschlecht identifizieren können.

Bunte Luftballons bilden das Wort Pride auf der CSD-Demo
© toni-reed/unsplash

Pride Bewegungen

Pride stammt aus der Lesben- und Schwulen- bzw. der LGBTQIA+-Bewegung. Es soll der selbstbewusste und stolze Umgang mit der eigenen sexuellen Identität gezeigt und ausgedrückt werden. Man verweist darauf, so zu sein, wie man ist und tritt für die Gleichberechtigung ein.
Pride wird auch als Kategorie oder Titel für Veranstaltungen genutzt, welche diese Selbstachtung und Toleranz im politischen und kulturellen Bereich öffentlich zeigen und ausdrücken. Am populärsten sind dabei die Pride-Paraden, bei denen es mittlerweile Demonstrationszüge durch die Straßen vieler verschiedener Städte gibt. Eines der gängigsten Symbole für Pride ist die Regenbogenflagge.
Das Jahr 1969 kann als Beginn der neuen Schwulen- und Lesbenbewegung bzw. der Gay Pride Bewegungen gesehen werden. Die Anfänge sind auf London und New York zurückzuführen. Hier begannen die Veranstaltungen, welche das eigene Selbstwertgefühl betonen, offen homosexuelles Leben zeigen und thematisieren.

Der Ursprung des CSD

Am 28. Juni 1969 in der Christopher Street in New York wehrten sich Homosexuelle erstmals gegen Polizeigewalt. Es war die Geburtsstunde der Lesben- und Schwulenbewegung und damit der heutigen LGBTQIA+-Bewegung.

Die LGBT*-Community feiert auf der Straße den CSD mit einer Demo
© brian-kyed/unsplash

Damals war Homosexualität in den USA verboten. Außerdem gab es ein Gesetz, welches vorschrieb, dass Personen Kleidungsstücke tragen mussten, die eindeutig ihrem Geschlecht zuzuordnen waren. Razzien, um homosexuelle Menschen in Schwulenbars aufzugreifen, gab es zu dieser Zeit immerzu. Aber im Juni 1969 ließen sich die Betroffenen nicht mehr länger demütigen und einfach abführen.

Sie sangen gegen die Polizisten, warfen Münzen, um die Polizei als bestechlich dastehen zu lassen, warfen mit Müll und schließlich mit Steinen. Machtverhältnisse kehrten sich um und Latinos, Schwarze, Obdachlose, Transvestiten, Schwule und Lesben, die bisher gedemütigt und unterdrückt wurden, formierten sich zu einer Zwangsgemeinschaft. Die Polizei musste Verstärkung anfordern und sich verschanzen, um vor dem Aufstand auf der Straße zu fliehen. Der Kampf weitete sich zu tagelangen Straßenschlachten aus. Schwule, Lesben und andere Minderheiten formten eine Gay Community.

Der heutige CSD

Schon ein Jahr nach den Aufständen von 1969 fand der erste „Christopher Street Liberation Day“ statt. Seither wird er zum Gedenken jedes Jahr in New York zelebriert. Mittlerweile gibt es den CSD weltweit in zahllosen Städten. Viele Menschen gehen auf die Straße, um Aufmerksamkeit zu erregen und für Toleranz und eine vielfältige, bunte Gesellschaft einzustehen. Nach wie vor ist die Bewegung rund um den CSD wichtig und verzeichnet immer mehr Erfolge, indem Menschen ihre Belange öffentlich sichtbar machen, gemeinsam demonstrieren, feiern, in den Austausch gehen und für eine bunte Gesellschaft einstehen.


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