LGBT, CSD & Co – Worum geht's hier überhaupt?

LGBT, GLBT, LGBTQIA+, queer oder trans – mittlerweile gibt es viele Begriffe, um unterschiedliche sexuelle Orientierungen zu beschreiben. Wichtig ist, dass sich alle darin wiederfinden können und sich niemand ausgeschlossen fühlt. Aufsehen erregen jedes Jahr aufs Neue die Veranstaltungen und Demos rund um den CSD, den Christopher Street Day, bzw. auch Gay Pride oder Pride Parades genannt. Dies ist ein Demonstrationstag von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgendern.

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LGBT-Bewegung: Ein Hoch auf die Toleranz?

LGBT ist eine aus dem Englischen übernommene Abkürzung für Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender. In vielen Ländern hat sich die Lage für diese Gruppen bereits gebessert und die Toleranz innerhalb der Gesellschaft wächst. Trotzdem ist in unserem heutigen, oftmals so vielfältigen und modernen Zeitalter, Homosexualität in 78 Ländern noch immer verboten und steht in acht Ländern unter Todesstrafe. Jedes Jahr werden tausende Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung verfolgt und ermordet. Auch in westlichen Staaten ist ein toleranter Umgang nicht immer vorherrschend und es wird sehr unterschiedlich mit sexuellen Orientierungen umgegangen.

Geschlechterbegriff und sexuelle Orientierung

Doch was bedeutet der Begriff sexuelle Orientierung überhaupt und was verbirgt sich alles dahinter? Um mit einem Thema offen und tolerant umzugehen, ist es wichtig, darüber informiert zu sein und dessen Facetten zu kennen.

Geht es um Geschlechterbegriffe oder Sexualität ist grundsätzlich erst einmal zwischen der Geschlechtsidentität und der sexuellen Orientierung zu unterscheiden. Die eigene Geschlechtsidentität beschreibt, welches Geschlecht du hast. Das heißt, ob du eine Frau oder ein Mann bist, ob du ein anderes Geschlecht hast oder ob du dich keinem Geschlecht zuordnest. Die sexuelle Orientierung beschreibt hingegen, welche Person(en) jemand liebt. Sexuelle Orientierung ist dabei unabhängig von der Geschlechtsidentität. Zu jedem Geschlecht kann man eine sexuelle Orientierung haben.

Queer

Der Begriff queer vereint die Bezeichnungen für unterschiedliche sexuelle Orientierungen. Queer kommt aus dem Englischen und galt früher als Schimpfwort für Lesben und Schwule. Besonders in der LGBT- bzw. LGBTQ-Gemeinschaft wird dieser Begriff genutzt, um ihm eine positive Bedeutung zuzuschreiben. Queer soll die Vielfältigkeit ausdrücken, positiv darstellen und vor allem niemanden ausschließen. Heute kann die Beschreibung queer ganz unterschiedlich genutzt werden. Eine Person kann sich beispielsweise als queer identifizieren, wenn sie jemanden liebt, der oder die sich nicht (ausschließlich) als weiblich oder männlich identifiziert. Queer wird auch als Begriff genutzt um Menschen zu beschreiben, die nicht heterosexuell und/oder trans sind. Es kann als ein Synonym für LGBT verstanden werden, mit dem Wort queer sollen noch mehr Menschen eingeschlossen werden. Queer kann ganz unterschiedlich verstanden und persönlich definiert werden.

LGBT*

LGBT ist eine Abkürzung und umfasst unterschiedlichste Begriffe sexueller Orientierung. LGBT setzt sich aus den Englischen Begriffen lesbian (lesbisch), gay (schwul), bisexual (bisexuell), and transgender (transsexuell) zusammen. Dieser Begriff wurde um zahlreiche weitere Kürzel für Begriffe sexueller Orientierung ergänzt. Zum Beispiel steht bei der Abkürzung LGBTQ, das Q für queer. Bei der Bezeichnung LGBTQIA steht das I für intersex (Intersexualität) und das A für asexual (Asexualität). Um diese ganzen weiteren Begriffe mit aufzunehmen und niemanden auszuschließen, kann auch die Schreibweise mit einem angefügten Sternchen (LGBT*) genutzt werden. Die Gemeinsamkeit dieser Gemeinschaft ist es, nicht der vermeintlich sozialen Norm der Heterosexualität zu entsprechen. Im Fokus bei dieser Bewegung steht die sexuelle Orientierung. Es geht um die persönliche Geschlechtsidentität und um (körperliche) Variationen des Geschlechts.

Trans- oder bi-, hetero- oder homosexuell: Was verbirgt sich hinter den Begriffen?

Es gibt eine Vielzahl von Begriffen und eine Menge möglicher sexueller Orientierungen und natürlich auch Vorlieben. Wichtig ist, dass kein Mensch ausgegrenzt wird und die Vielfalt in der Gesellschaft geschätzt, gekannt und akzeptiert wird.

Hier findest du Begriffe und Definitionen, die in der LGBT*-Community genutzt werden.

Menschen feiern, Zwei Frauen drehen ihre Gesichter liebevoll zueinander, im Hintergrund sieht man eine Regenbogenflagge
© jana-sabeth-schultz/unsplash

Heterosexualität ist womöglich momentan noch die am häufigsten auftretende sexuelle Orientierung in unserer Gesellschaft. Heterosexuelle Menschen fühlen sich zu Menschen des anderen Geschlechts hingezogen. Das bedeutet, sexuelles Begehren wird nur für Personen des anderen Geschlechts empfunden. Sexuelle Handlungen werden mit andersgeschlechtlichen Partnern ausgeführt.

Homosexualität steht mit den Begriffen lesbisch oder schwul in Verbindung. Menschen, die homosexuell sind, fühlen sich zu Menschen des gleichen Geschlechts hingezogen. Ein Mann, der sich zu anderen Männern hingezogen fühlt, ist schwul. Eine Frau, die sich zu anderen Frauen hingezogen fühlt, ist lesbisch.

Asexualität meint das fehlende Verspüren nach Sex. Menschen, die asexuell sind, können natürlich trotzdem eine romantische Beziehung zu anderen Personen haben, sie haben allerdings kein Bedürfnis bzw. Interesse an sexuellen Handlungen.

Bisexualität beschreibt, wenn Menschen sich zu beiden Geschlechtern hingezogen fühlen. Bisexuell meint also, dass man sowohl Männer als auch Frauen liebt und sexuell anziehend findet. Pansexualität kann als eine Erweiterung des Begriffes Bisexualität verstanden werden. Pansexuelle Menschen können sich generell zu allen Menschen sexuell hingezogen fühlen, unabhängig vom Geschlecht des Gegenübers. Ist eine Person pansexuell bezieht das auch transsexuelle und intersexuelle Personen mit ein.

Transsexualität ist ebenfalls ein wichtiger Begriff in diesem Themenkomplex. Transgender meint transsexuelle Menschen, die sich nicht mit ihrem Geschlecht identifizieren können. Sie lehnen entweder ihr biologisches (Sex) oder kulturelles Geschlecht (Gender) ab. Das heißt nicht zwingend, dass diese Menschen geschlechtsangleichende Maßnahmen anstreben und sich umoperieren lassen. Fühlen sie sich nicht männlich oder weiblich, können sie dies auch anderweitig zeigen. Denn nicht jede Trans-Person möchte einen operativen Eingriff und damit das biologische Geschlecht ändern. Teilweise können sie sich auch mit ihrem biologischen Geschlecht anfreunden und trotzdem sagen, dass sie sich eher als Frau oder Mann fühlen.

Dies führt zu einer weiteren Beschreibung, nämlich transvestit. Menschen, die durch ihre Kleidung und ihr Auftreten ein anderes Geschlecht darstellen, sind transvestit. Damit soll die eigene Persönlichkeit ausgedrückt werden, unterhalten werden oder auch ein politisches Statement gesetzt werden. Drag Queens und Kings sind beispielsweise transvestit.

Im Zusammenspiel dessen werden auch oft die Bezeichnungen Transfrau oder Transmann genutzt. Das Wort richtet sich immer nach dem Zielgeschlecht der jeweiligen Person. Möchte sich jemand von einem Mann zu einer Frau entwickeln, ist der Begriff dafür Transfrau. Entwickelt sich eine Frau zu einem Mann, ist die Bezeichnung Transmann korrekt. Dies hat nichts mit der sexuellen Orientierung zu tun. Transmenschen können bi, schwul, lesbisch, heterosexuell oder etwas anderes sein. Hat eine Trans-Person ihr Wunschgeschlecht erreicht, sollte man nicht mehr von Transgender bzw. Transfrau oder -mann sprechen, sondern von Mann oder Frau.

Möchte sich ein Mensch keinem eindeutigen Geschlecht zuordnen, kann von gender fluid oder multi gender gesprochen werden.

Cisgender ist hingegen eine Bezeichnung für Menschen, die sich mit ihrem Geburtsgeschlecht identifizieren können.

Bunte Luftballons bilden das Wort Pride auf der CSD-Demo
© toni-reed/unsplash

Gay Pride Bewegungen

Die Begriffe Gay Pride, LGBT-Pride oder einfach nur Pride stammen aus der Lesben- und Schwulen- bzw. der LGBT*-Bewegung. Es soll der selbstbewusste und stolze Umgang mit der eigenen sexuellen Identität gezeigt und ausgedrückt werden. Man verweist darauf so zu sein, wie man ist, versteckt oder verstellt sich nicht und tritt für die Gleichberechtigung ein.

Pride wird auch als Kategorie oder Titel für Veranstaltungen genutzt, welche diese Selbstachtung und Toleranz im politischen und kulturellen Bereich öffentlich zeigen und ausdrücken. Am populärsten sind dabei die Pride-Paraden, bei denen es mittlerweile Demonstrationszüge durch die Straßen vieler verschiedener Städte gibt. Hierbei wird eine Sichtbarkeit für LGBT*-Menschen geschaffen. Eines der gängigsten Symbole für Pride ist die Regenbogenflagge.

Pride ist nicht nur eine Veranstaltung samt Party oder öffentlicher Demo, um Aufmerksamkeit zu erregen. Pride soll das Gefühl ausdrücken und vermitteln, dass Menschen der LGBT*-Community selbstbewusst mit ihrer sexuellen Orientierung und ihrer sexuellen Identität umgehen. Sie akzeptieren und schätzen ihr vermeintliches Anderssein. Pride ist eine Reaktion auf die Gesellschaft. Man muss sich für nichts rechtfertigen oder schämen, was nicht der sogenannten Norm der Gesellschaft entspricht. Der Begriff Pride bildet ein Gegenteil zu Intoleranz und Scham und drückt Selbstachtung aus.

Mehr und mehr Interaktion und Aufsehen wird heutzutage mit den Pride Bewegungen erregt. Gefühle des Stolzes verbinden die Menschen. Alle sind vollwertige Mitglieder einer vielfältigen Gesellschaft, sollen sich zugehörig fühlen und sich zeigen. Diese Aspekte werden bei den Gay Pride Bewegungen aufgegriffen. Pride kann je nach gesellschaftlichem Kontext verschieden gezeigt, ausgelebt und ausgedrückt werden.

Das Jahr 1969 kann als Beginn der neuen Schwulen- und Lesbenbewegung bzw. der Gay Pride Bewegungen gesehen werden. Die Anfänge sind auf London und New York zurückzuführen. Hier begannen die Veranstaltungen, welche das eigene Selbstwertgefühl betonen, offen homosexuelles Leben zeigen und thematisieren.

1970 gab es die erste Demonstration namens Gay Pride March in London, in New York wurde der Begriff Gay Pride und Pride Week als Titel für die Veranstaltungen rund um den Christopher Street Gay Liberation Day March verwendet.

Der Ursprung des CSD

Am 28. Juni 1969 in der Christopher Street in New York wehrten sich Homosexuelle erstmals gegen Polizeigewalt. Es war die Geburtsstunde der Lesben- und Schwulenbewegung und damit der heutigen LGBT*-Bewegung.

Die LGBT*-Community feiert auf der Straße den CSD mit einer Demo
© brian-kyed/unsplash

Damals war Homosexualität in den USA verboten und wurde bestraft. Außerdem gab es ein Gesetz, welches vorschrieb, dass Personen mindestens drei Kleidungsstücke tragen mussten, die eindeutig ihrem Geschlecht zuzuordnen waren. Dies bedeutete eine zusätzliche Diskriminierung für transvestite und transsexuelle Menschen.
Razzien, um homosexuelle Menschen in Schwulenbars aufzugreifen, gab es zu dieser Zeit immerzu. Aber im Juni 1969 ließen sich die Betroffenen nicht mehr länger demütigen und einfach abführen.

Sie sangen gegen die Polizisten, warfen Münzen, um die Polizei als bestechlich dastehen zu lassen, warfen mit Müll und schließlich mit Steinen. Machtverhältnisse kehrten sich um und Latinos, Schwarze, Obdachlose, Transvestiten, Schwule und Lesben, die bisher gedemütigt und unterdrückt wurden, formierten sich zu einer Zwangsgemeinschaft. Die Polizei musste Verstärkung anfordern und sich bis dahin in einer bereits geräumten Bar verschanzen, um vor dem Aufstand auf der Straße zu fliehen. Der Kampf weitete sich zu tagelangen Straßenschlachten aus und die Nachricht über diese Geschehnisse ging um die Welt. Schwule, Lesben und andere Minderheiten ließen sich nicht länger nach Belieben ausgrenzen und drangsalieren, sondern wehrten sich. So fanden sie durch diesen Druck, der gegen sie ausgeübt wurde, zum heutigen Selbstverständnis. Sie formten eine Gay Community.

Der heutige CSD

Schon ein Jahr nach den Aufständen von 1969 fand der erste „Christopher Street Liberation Day“ statt. Seither wird er zum Gedenken jedes Jahr in New York zelebriert. Aber eben nicht nur dort, mittlerweile gibt es den CSD weltweit in zahllosen Städten.

Jedes Jahr wird nun am Christopher Street Day die Gay Pride, nämlich der Stolz, anders zu sein, gefeiert. Viele Menschen gehen auf die Straße, um Aufmerksamkeit zu erregen und für Toleranz und eine vielfältige, bunte Gesellschaft einzustehen.

Das ist in der heutigen Zeit immer noch wichtig und der Kampf um Akzeptanz und Gleichberechtigung von LGBT*-Menschen ist noch lange nicht zu Ende. Nach wie vor ist die Bewegung rund um den CSD wichtig und verzeichnet immer mehr Erfolge, indem Menschen ihre Belange öffentlich sichtbar machen, gemeinsam demonstrieren, feiern, in den Austausch gehen und für eine bunte Gesellschaft einstehen.