Schutz vor Pollen in Wohnung und Haus

Schnupfen, Niesattacken und tränende Augen. Manchmal sogar ein unangenehmes Kratzen im Hals und trockener Husten. Für Pollenallergiker ist der Start in den Frühling und Sommer häufig ein Grund, die Wohnung auf gar keinen Fall zu verlassen. Und besonders dieses Jahr ist es schlimm: Denn es gab keinen Kälteeinbruch, wie im vergangenen Frühjahr. Zudem war der Februar weniger wechselhaft. Wenn der Regen nämlich ausbleibt, werden die Pollen nicht “ausgewaschen” und fliegen weiterhin ungehindert durch die Luft.

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Pollenflug auf einer Wiese bei Sonnenuntergang
© lukasz-szmigiel/unsplash

Allgemeine Informationen zu Pollen

Tatsächlich wird die Pollenallergie (Heuschnupfen), oder die Veranlagung dazu, häufig vererbt. Hier reagiert das menschliche Immunsystem auf die eigentlich harmlosen Eiweiße der Pollen. Werden diese eingeatmet, oder gerät man in direkten Kontakt mit ihnen, wird Histamin ausgeschüttet, das eine Entzündung der Bindehaut und Nasenschleimhaut hervorruft.

Am häufigsten lösen folgende Pflanzengruppen Heuschnupfen aus:

  • Bäume: Hasel, Erle, Esche, Birke, Hagebuche, Eiche
  • Gräser
  • Kräuter wie Beifuss und Traubenkraut (Ambrosia)


An windigen und stürmischen Tagen geraten die Pollen fast überall hin.

Aber wann ist der Pollenflug am stärksten?

Hier kann ein Pollenflugkalender Auskunft geben. Mittlerweile gibt es auch Apps, mit denen Allergiker sich auch unterwegs updaten können. Die Pollenkonzentration wird in der Luft mittels Burkhard-Pollenfallen gemessen. In diesen Fallen befindet sich ein Schlitz, durch den 10 Liter Luft gesaugt wird. Dahinter befindet sich ein Klebestreifen, auf dem die Pollen haften bleiben. Nach 24 Stunden wird durch die Färbung der Pollen ermittelt, um welche Pollenart es sich handelt und wie viele sich von jeder Sorte auf dem Klebestreifen befinden. Unser Kalender zeigt Ihnen, wann Sie sich auf erhöhten Pollenflug einstellen können.

Pollenflugkalender

Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt
Hasel
Erle
Esche
Birke
Buche
Eiche
Gräser
Raps
Löwenzahn
Roggen
Holunder
Spitzwegerich
Gänsefuß
Beifuß
Nessel
Ambrosia

Besonders bei einer Allergie gegen Gräserpollen sollte auf ausreichend Vorsorge geachtet werden, da diese fast das ganze Jahr in der Luft sind.

Fliegen die Pollen auch bis in die Wohnung?

Durch offene Fenster beim Lüften, oder beim Ein- und Ausgehen durch die Haustür können Pollen in die Wohnung oder ins Haus gelangen. Aber die Türen und Fenster geschlossen zu halten reicht leider kaum. Denn die kleinen Allergieauslöser verschaffen sich auch durch Umwege Zugang in die eigenen vier Wände. Nach einem Spaziergang tragen wir sie auf Haaren und Kleidung in die Wohnung. Bei Hunden und Katzen mit Ausgang werden die Pollen über das Fell übertragen.

Wohnort und Umfeld

Die Pollenbelastung in der Luft ist unter anderem abhängig von Ort und Umfeld. So wurde durch Studien herausgefunden, dass Stadtmenschen häufiger unter Pollenallergien leiden als Menschen, die auf dem Land leben. Einigen Wissenschaftlern zufolge liegt das an der Feinstaubbelastung in den Städten, die die Nasenschleimhäute noch empfindlicher macht. Allerdings treten stärkere allergische Reaktionen meistens auf dem Land auf, da logischerweise ein höherer Anteil an verschiedensten Pollen in der Luft unterwegs ist als in der Stadt. Wem es vor den warmen Wochenenden im Frühling aufgrund von Heuschnupfen graut, der kann sich auch für einen Kurztrip in die Berge “retten”, denn in der frischen Bergluft sind zumeist weniger Pollen. Auch die Regionen Deutschlands, die Nahe des Meeres liegen, haben eine niedrigere Pollenbelastung. Durch die Meeresbrisen, bei denen häufig Salzwasser mitgetragen wird, wird der Pollenanteil in der Luft verringert.

Eine Übersichtskarte finden Sie auf jeder Website für Wettervorhersagen. Dort können Sie auch speziell nach der Pollenbelastung in der Luft an Ihrem Wohnort suchen.

Lüften bei Allergien

Viele Allergiker berichten von schlimmeren Symptomen nach dem Schlafen mit geöffnetem Fenster. Beim Lüften der Wohnung empfiehlt es sich die Tageszeit und das Umfeld zu beachten. Denn die Pollenbelastung muss nachts nicht geringer sein.

Richtiges Lüften ist sehr wichtig bei Allergikern. Die Tageszeit ist hierbei entscheidend: denn zu verschiedenen Uhrzeiten ist die Pollenbelastung auch verschieden stark oder schwach. In ländlichen Gebieten ist die Pollenkonzentration morgens besonders hoch, in der Stadt eher abends. Daher bietet es sich an, die Wohnung auf dem Land abends zwischen 19 und 24 Uhr durch zu lüften. Wenn Sie in der Stadt wohnen, können Sie morgens zwischen 6 und 8 Uhr alle Fenster öffnen und die Wohnung mit frischer Luft füllen.

Sonnenlicht strahlt durch ein Fenster
© adeolu-eletu/unsplash

Erleichterung findet man besonders nach einem ordentlichen Regenguss. Die Pollen werden aus der Luft geschwemmt und sammeln sich am Boden. Daher kann die Wohnung bei Regen oder danach bedenkenlos gelüftet werden.


Hilfsmittel und Einrichtung

Wer unter Heuschnupfen leidet, weiß: Es gibt kaum ein Entrinnen vor den lästigen kleinen Biestern. Sie begleiten einen auf dem Weg zur Arbeit – in öffentlichen Verkehrsmitteln hat man so gut wie keine Chance. Auch im Büro sollte man seine Kollegen über die Allergie in Kenntnis setzen, sodass Rücksicht genommen wird.

Hilfsmittel im Überblick:

  • Luftreiniger für die Wohnung
  • Pollenfilter fürs Auto
  • Schutzgitter für Fenster
  • Teppiche und Böden
  • Feinstaubfilter für Staubsauger
  • Bettzubehör
  • Massivholzmöbel

Luftreiniger für die Wohnung, oder das Büro

Um die Pollenkonzentration zu Hause oder im Büro zu reduzieren, können Luftreiniger oder Luftwäscher helfen. Sie filtern auf verschiedene Art und Weise Pollen, Milben und Staub aus der Luft. Vor dem Kauf sollten sich Allergiker jedoch gut beraten lassen, da sich nicht jeder Luftreiniger eignet. Zusätzlich können Testberichte und Prüfsiegel des TÜV Informationen und Orientierung bieten.

Pollenfilter im Auto

Jedes neuere Automodell verfügt über einen Pollenfilter. Diese verhindern, dass Pollen durch die Lüftung des Wagens zum Fahrer gelangen. Besitzt Ihr Auto keinen Filter, sollten Sie die Fenster stets geschlossen halten. Denn besonders auf der Autobahn werden die Pollen zusätzlich aufgewirbelt und können dem Fahrer tränende Augen und eingeschränkte Sicht bescheren.

Frau sitzt am Steuer ihres Autos
© takahiro-taguchi/unsplash

Schutzgitter für Fenster

Heuschnupfen-Geplagte können im Internet oder im nächsten Baumarkt Schutzgitter für die Fenster finden. Diese werden innen oder außen am Fenster befestigt und können verhindern, dass die Pollen in die Wohnung geraten. Je nach Modell gelangen mit den Schutzgittern fast 90% weniger Pollen durch die Fenster. So kann auch zu jeder Tageszeit gelüftet werden.

Teppiche und Böden

Allergiker, die stark unter Heuschnupfen leiden, sollten Teppichböden grundsätzlich durch glatte Böden ersetzen. Dadurch wird das Haften von Pollen verhindert und man kann den Boden feucht wischen, was positiv zur Verringerung von Pollen beiträgt.

Feinstaubfilter für Staubsauger

Spezielle Staubsauger für Allergiker beinhalten Filtersysteme, die die Abluft beim Staubsaugen filtern können und somit weniger Allergene wieder zurück in die Luft bringen. Es gibt sogar Filtersysteme, die mit Hilfe von Wasser funktionieren und die Pollen “ersticken”.

Bettzubehör

Es gibt sogenannte Klimafaserdecken, die mit besonders hochwertigen, atmungsaktiven Funktionsfasern gefüllt sind. Die Kopfkissen sind mit einem zusätzlichen Überzug aus Baumwolle bezogen, der einfach abnehmbar ist, was sehr pflegeleicht ist. Allergiker sollten zudem auf Daunen-Bettzeug verzichten.

Massivholzmöbel

Möbel aus massivem Holz haben eine antistatische Eigenschaft. Das bedeutet, dass sie sich nicht aufladen und die Pollen nicht an den Möbeln haften bleiben. Sie bieten Allergikern zu Hause Erleichterung und sind zudem leicht zu putzen.


Tipps bei Kindern mit Heuschnupfen

Wenn Ihr Kind an Heuschnupfen leidet, sollten Sie so schnell wie möglich ein paar Maßnahmen ergreifen. Bei starken Beschwerden gibt es Therapien, die bereits im Herbst gestartet werden. Eine weitere Möglichkeit, um Heuschnupfen dauerhaft los zu werden, ist die Hyposensibilisierung, bei der mit einer Spritzenkur die Allergie im Keim erstickt wird. Ein Risiko ist allerdings, dass die Allergie sich auf ein anderes Gebiet verlagert, so kann aus Heuschnupfen beispielsweise eine Katzenhaar- oder Hausstauballergie entstehen.

Sie können aber auch folgende einfache Tipps befolgen, um Ihrem Kind und auch Ihnen die Zeit des Heuschnupfens zu erleichtern.

Kind in Getreidefeld
© arthur-marshall/unsplash
  • Staubsaugen und feuchtes Wischen in der Wohnung ist sehr hilfreich, um die Pollen und den Pollenstaub von Boden und Teppichen zu entfernen, dabei können Sie durchaus auch 2-3 Mal täglich durch die Wohnung saugen.
  • Aus dem Kinderzimmer sollten die Teppiche und Vorhänge ganz entfernt werden.
  • Die Kleidung, die in der Schule, oder draußen zum Spielen getragen wurde, sollte nicht mit ins Kinderzimmer gebracht werden.
  • Um die Schlafqualität Ihres Kindes zu verbessern, sollten die Haare des Kindes vor dem Schlafengehen gewaschen werden.
  • Auch die frisch gewaschene Kleidung sollte im Haus getrocknet werden, um ein Festsetzen der Pollen zu vermeiden.

Zimmerpflanzen und Garten

Die Leidenschaft für Blumen und Pflanzen kann zur Pollensaison für Allergiker die reinste Qual sein. Müssen Allergiker auf das Gärtnern ganz verzichten? Bei manchen Gärtnereien können pollenfreie Pflanzen erworben werden. Allerdings raten Umweltschützer davon ab.

Frau und Tochter bepflanzen Garten
© JBryson/iStock

Grundsätzlich können Pflanzen, die Pollen abgeben, in zwei Kategorien unterteilt werden:

  • Windblütler – diese Pflanzen geben Ihre Pollen durch die Luft ab. Sie zeichnen sich durch unauffällige Blüten aus. Durch den Wind werden die Pollen über ein riesiges Gebiet verteilt.
  • Insektenblütler – hier sind die Insekten die kleinen Helfer der Pflanzen. Sie werden durch die farbenfrohen Blüten angezogen und tragen die Pollen an den klebrigen Beinchen durch die Luft.

Es empfiehlt sich, Pflanzen anzuschaffen, die mittels Insekten statt Wind ihre Pollen verteilen. Auch einige Gehölze gelten als schonend für Nase und Augen. Hierzu zählen zum Beispiel Hortensien, Azaleen, der Rhododendron-Busch, Löwenmäulchen, Stiefmütterchen, oder auch Vergissmeinnicht.

Sie können Laubbäume und Sträucher rund um den Garten als Begrenzung pflanzen. Denn fliegen beispielsweise Birkenpollen durch die Luft, werden diese von den Laubbäumen abgefangen. Beim nächsten Regenfall werden die Pollen dann in den Boden gewaschen und der Allergieauslöser ist gebannt.

Ein großes Problem ist die Rasenfläche, die so gut wie in jedem Garten fester Bestandteil ist. Viele Allergiker fürchten den Tag, an dem sie den Rasen mähen müssen. Denn häufig mischen sich verschiedene allergieauslösende Stoffe beim Rasenmähen und die Symptome werden verstärkt: Zusätzlich zu den Gräser- und Getreidepollen schwirren auch noch Schimmelpilzsporen herum, die sich unter anderem im Erdboden oder Kompost befinden. Bei allergischen Reaktionen nach der Gartenarbeit sollte möglichst schnell der Hausarzt oder ein Spezialist aufgesucht werden. Arbeiten am Rasen sollten Sie also dem Gärtner überlassen. Wenn Sie Ihren Rasen selbst pflegen, sollten Sie einen Mundschutz tragen.

Auch das dekorative Grün in der Wohnung ist meist ein Magnet für Pollen und Staub. Es gibt aber Alternativen, die allergieauslösende Stoffe fernhalten. Dazu zählen zum Beispiel Efeu, Farne, Papyrus, Palmen und Fensterblatt. Auch Orchideen oder Kakteen sind gute Begleiter für Heuschnupfen-Geplagte. Zimmerpflanzen befeuchten die Luft, was die Schleimhäute vor Pollen und Staub schützt. Als Allergiker sollte man aber auf blühende Zimmerpflanzen verzichten.


Haustiere

Für Allergiker wird es schwierig, wenn es Haustiere im Haushalt gibt. Natürlich tragen Hunde und Katzen mit Ausgang die Pollen von draußen ins Haus und verteilen sie auf Teppichen und Polstermöbeln. Das Hundebett ist der Staubfänger schlechthin. Hier gilt wieder: Doppelte Reinlichkeit! Natürlich kann man den Hund nicht jeden Tag baden. Das Fell zu bürsten kann aber schon hilfreich sein. Das flauschig gepolsterte Hundebett kann durch ein Körbchen aus Leder ersetzt werden, was die Reinigung vereinfacht. Grundsätzlich sollte der Hund keinen Zugang zum Schlafzimmer von Allergikern erhalten.

Hund wird gebadet
© autri-taheri/unsplash

Studien belegen aber auch: Wer ein Haustier hat, kann seine Allergie tatsächlich mildern, oder sie sogar ganz loswerden. Kinder, die mit einem oder mehreren Haustieren aufwachsen, haben später seltener Ekzeme, Asthma, oder Heuschnupfen. Zurückzuführen sind diese Studien auf die ursprüngliche Aussage, dass Kinder, die auf dem Bauernhof leben und täglich mit verschiedensten Allergieauslösern in Berührung kommen, seltener Allergien entwickeln, als Stadtkinder. Einen ähnlichen Effekt sollen also auch Haustiere haben. Allerdings sind diese Studien nicht ganz genau, da sie nur auf die Anzahl der Haustiere im Haushalt Bezug nehmen.


Weitere häufige Allergene

Neben der Pollenallergie gibt es weitere weit verbreitete Allergien, die genauso schlimme Reaktionen hervorrufen können, wie die Pollenallergie.

Hausstaub

Bei einer Hausstauballergie reagieren Betroffene nicht allergisch auf den Hausstaub an sich, sondern auf den Kot der Hausstaubmilben. Die Kotpartikel sind winzig klein und verbreiten sich mit dem Staub durch das ganze Haus. Daher gibt es keine Wohnung, die milbenfrei ist. Die Symptome sind meist nicht so heftig, wie beim Heuschnupfen, jedoch treten diese das ganze Jahr über auf. Besonders nachts oder morgens geht es Allergikern am schlechtesten, da sich besonders viele Milben in Bettzeug und Kissen verstecken.

Ein milbendichter Matratzenüberzug kann den Kontakt zu Milben verhindern, Polstermöbel und Vorhänge sollten entfernt werden und die Bettwäsche sollte regelmäßig bei mehr als 60 Grad gewaschen werden. Bei geringerer Temperatur im Schlafzimmer haben die Milben es schwer zu überleben, daher kann man die Zimmertemperatur bei ca. 18 bis 20 Grad halten. Mittlerweile gibt es auch Anti-Milben-Sprays, die unter Matratzenbezüge aufgesprüht werden können.

Frau macht ihr Bett
© fotostorm/istock

Schimmel

Schimmelpilze verbreiten sich durch Sporen, die ausgeschieden werden. Überall wo es feucht ist, oder sich organisches Material befindet, kann sich der Schimmel festsetzen und ausbreiten. Typische Nährböden sind Keller, alte Polstermöbel und Teppichböden, Blumenerde, Müllbehälter und feuchte Wände.

Bisher wurden in 43 Pilzarten 107 Allergene festgestellt. Häufig haben Allergiker mit Beschwerden an den Atemwegen zu kämpfen. Die Nase juckt, Niesreiz, Atemnot und Husten sind Symptome einer Allergie gegen Schimmel. Leidet der Betroffene bereits an Asthma, kann es sich durch die Schimmelpilzbelastung verschlimmern. Auch Hautausschläge sind nicht untypisch. Nach dem Verzehr von Nahrungsmitteln, die mit Schimmelpilzkulturen angereichert werden (z.B. Gorgonzola), kann es zu Magen-Darm-Beschwerden kommen. Die effektivste Therapie ist hierbei die Allergenvermeidung. Das kann beispielsweise bedeuten, dass sämtliche Zimmerpflanzen entfernt werden müssen. Feuchte Wände sollten von Profis behandelt werden. Des Weiteren können Medikamente die Allergiesymptome lindern. Auch eine Hyposensibilisierung bietet sich bei einer Schimmelpilzallergie an.


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