Ghosting, Breadcrumbing und Co – Wenn dein Date von der Bildfläche verschwindet

Letzte Woche habt ihr euch noch gesehen, euch viele Whatsapps geschrieben, alles schien gut zu laufen und heute wäre eigentlich euer nächstes Date – eigentlich. Aber der andere meldet sich einfach nicht mehr. Selbst am nächsten Tag und auch am übernächsten: keine Antwort. Und langsam kommt dir der Verdacht: Wurdest du etwa gerade geghostet? Aber keine Sorge, damit bist du absolut nicht allein. Auch Filme wie “Er steht einfach nicht auf dich” oder “Der Womanizer” widmen sich genau dieser Thematik und zeigen, wie schnell man in die Klauen eines Ghosters gerät. Was genau hinter diesem Phänomen steckt, welche Gründe der Ghoster haben könnte und vor allem, was du dagegen tun kannst, erfährst du hier.

Lesedauer: 9 Minuten

Was steckt eigentlich hinter Ghosting?

Als Ghosting wird ein Phänomen bezeichnet, bei dem der Dating-Partner ganz plötzlich, unerwartet und scheinbar ohne jegliche Vorwarnung “wie ein Geist” aus dem Leben der anderen Person verschwindet. Von heute auf morgen kommt es zu einer absoluten Funkstille ohne weitere Erklärung. Oftmals gibt es danach keine Lebenszeichen oder Reaktionen mehr. Diese abrupte – und seien wir einmal ehrlich – einfach nur respektlose Art und Weise, sich aus dem Staub zu machen, ist in den letzten Jahren regelrecht zum Trend geworden.

Ghosting als Dating-Phänomen

Ghosting kann natürlich auch in Beziehungen und sogar in Freundschaften auftreten, aber weil Dates meist noch keine Verpflichtungen mit sich bringen, trifft man hier besonders häufig auf Ghoster. Denn immer öfter wollen wir uns nicht mehr fest binden, nur noch unverbindlich und locker herumdaten und die vielen anderen Möglichkeiten, die uns vor allem beim Online-Dating geboten werden, ausnutzen. So geht nach und nach die Verantwortung und damit auch das Gefühl der moralischen Pflicht flöten, der anderen Person ehrlich und offen ins Gesicht zu sagen, dass es vorbei ist. Auch in Großstädten scheint die Hemmschwelle fürs Ghosten niedriger zu liegen. Durch die höhere Anonymität und das somit geringere Risiko, jemanden wiederzutreffen, können wir uns eher leisten, jemanden einfach mal so zu löschen, zu blockieren und uns einfach nie wieder zu melden.

Weitere Schlussmach-Trends

Neben dem Ghosting haben sich in den letzten Jahren aber auch noch weitere skurrile Dating-Trends entwickelt: So versteht man zum Beispiel unter dem sogenannten "Breadcrumbing" ein Verhalten, bei dem der eine Dating-Partner dem anderen immer nur kleine Brotkrümel, also kurze Textnachrichten, hinwirft, ohne jemals wirklich auf eine Nachricht einzugehen, geschweige denn eine Verabredung vorzuschlagen. Man wird also schlicht und ergreifend warm gehalten. Ähnlich ist das ganze beim "Benching". Wie der Spieler auf der Ersatzbank, hält sich der eine Dating-Partner den anderen – nur um nie allein sein zu müssen – bereit und datet fleißig weiter. Ob Ghosting, Breadcrumbing oder Benching – die Liste der Möglichkeiten, jemandem auf eine miese Art einen Korb zu geben, ist lang. Da Ghosting aber der fieseste Weg ist, etwas zu beenden, verraten wir dir im nächsten Abschnitt, welche Gründe sich dahinter verstecken können.

Ab wann ist Ghosting wirklich Ghosting?

Das hängt ganz davon ab, wie die bisherige Kontaktfrequenz zwischen euch war. Habt ihr euch mehrmals täglich hin und her geschrieben, kann man schon nach zwei Tagen ohne Reaktion des anderen davon ausgehen, geghostet worden zu sein. Schreibt ihr eher nur ein mal alle paar Tage, weil ihr vielleicht viel zu tun habt oder persönliche Treffen bevorzugt, solltest du nicht so schnell davon ausgehen, dem Ghosting zum Opfer gefallen zu sein. Tipps, wie du einen Ghoster erkennen kannst, findest du unter: Anzeichen richtig deuten.


Warum ghostet man? – 5 Gründe

Grundsätzlich sei gesagt, dass den genauen Grund in jedem einzelnen Fall, wenn überhaupt, nur der Ghoster selbst kennt. Diesen herauszufinden ist aber natürlich ohne Kontakt oder Antwort unmöglich. Meist liegt der Grund aber nicht am Ghosting-Opfer, sondern am Ghoster selbst. Wir haben für dich einige Beweggründe und Motive herausgefunden, um das fiese Verhalten – wenngleich es auch schwer fällt – etwas verständlicher zu machen und einmal hinter die Fassade des Ghosters blicken zu können. Diese fünf Gründe stecken oft hinter dem Ghosting-Verhalten:

1. Verdrängung

Bei diesem modernen Phänomen des Kontaktabbruchs würde sich der gute alte Freud vermutlich im Grab umdrehen. Die Beweggründe für das Verhalten sind nach Freud nämlich völlig unbewusst und dienen dem bloßen Selbstschutz. Aus Angst sich seinen eigenen Gefühlen zu stellen, werden so auch gerne mal unangenehme Dinge einfach weggeschoben und verdrängt. Im Falle unseres Ghosters hat dieser also manchmal schlichtweg selbst keine Ahnung, warum er den Kontakt abbricht. Dass dieses Verhalten aber keineswegs gesund ist und den Ghoster vermutlich eines Tages mal einholen wird, darüber sind wir uns sicherlich alle einig.

2. Bindungsangst

Der starke Unabhängigkeitsdrang der heutigen Dating-Welt wirkt sich natürlich auch auf das Eingehen einer ernsthaften Beziehung aus. Diese wird oft als Verpflichtung oder Einschränkung wahrgenommen, aber auch als Risiko, beim Öffnen gegenüber einer anderen Person verletzt zu werden. Die Angst vor Nähe kann also der Grund für das Streben nach dem ewigen Junggesellen-Leben sein. Weil man sich beim Daten aber meist erst nur wenig kennt und keine feste Partnerschaft vorherrscht, fühlt sich der Ghoster auch nicht dazu verpflichtet, eine Erklärung abgeben zu müssen.

3. Angst vor dem Konflikt

Auch hierbei fürchtet sich der Ghoster vor seinen eigenen Gefühlen, aber auch vor denen der anderen Person bei einer offenen Ansprache. Aus Angst vor einer negativen Reaktion des Dating-Partners, sich zu blamieren oder Schwäche zu zeigen, geht der Ghoster lieber den bequemen Weg des geringsten Widerstandes und taucht ab. Auch hier wird klar: es liegt nicht am Opfer, sondern einfach an der Feigheit des Ghosters.

Paar streitet in der Küche miteinander

4. Mehrgleisiges Fahren

Hat er/sie vielleicht noch jemand anderen? Ob klassische Affäre (inklusive Partner sitzt zu Hause) oder das typische Bachelor-Phänomen – sich andere Möglichkeiten offen zu halten und die Qual der Wahl zu haben ist heutzutage auch dank Online-Dating fast schon zur unangenehmen Realität geworden. Und hier kommt wieder das Ghosting ins Spiel: denn statt die Sache klar und ausgesprochen zu beenden, hält sich der Ghoster weiterhin ein Türchen offen, um dann vielleicht irgendwann doch noch mal mit “Hey, sorry hatte so viel zu tun.” um die Ecke kommen zu können.

5. Charakter

Die Persönlichkeit sagt allgemein viel über uns aus, vor allem über unser Verhalten. Besonders narzisstisch veranlagte, gefühlskalte und empathielose Menschen neigen dazu, die Gefühle anderer Personen auszublenden und nur die eigenen, unwohlen Gefühle in den Mittelpunkt zu stellen. Dass hier dann einfach mal geghostet wird, wundert also wenig. Ein Glück aber, dass sich Charaktereigenschaften recht gut erkennen lassen und du dich so vor einem Reinfall beim Daten bewahren kannst.


Was kann ich dagegen tun?

Du fühlst dich traurig, verstehst die Welt nicht mehr und weißt einfach nicht, was du tun sollst? Die Folgen des Ghostings machen es vor allem dem Zurückgelassenen schwer zu akzeptieren, dass man sitzengelassen worden ist. Was hat man falsch gemacht? Warum meldet sich der andere denn nicht mehr? Oh Gott – ist vielleicht sogar etwas Schlimmes passiert? All das schwirrt dir vermutlich gerade im Kopf herum, wenn dein Dating-Partner wie aus dem nichts den Kontakt abgebrochen hat. Wir verraten dir, wie du damit abzuschließen kannst und auch in Zukunft einen Ghoster rechtzeitig entlarvst.

Präventive Maßnahmen: Anzeichen richtig deuten

Du kennst es bestimmt. Am Anfang ist da diese rosarote Brille, die alles wie in einem Traum erscheinen lässt. Fehltritte werden dann von dir als einmalige Sache mit Begründungen wie “Ja, mein Date hatte einfach viel zu tun” abgefrühstückt oder auch einfach mal gerne ignoriert. Natürlich gibt es immer die große Ausnahme und dein Dating-Partner hatte wirklich viel um die Ohren, aber meistens ist das ständige Absagen ein ganz typischer Vorbote dafür, dass da irgendetwas im Busch ist.

Junger Mann schaut grübelnd auf sein Smartphone
© kal-visuals/unsplash

Hör auf dein Bauchgefühl

Generell solltest du deinem Bauchgefühl vertrauen und deine vorhandenen Bedenken frei äußern. Wenn du klar machst, wie du dich fühlst und was du dir von der ganzen Sache erhoffst, fällt es auch deinem Dating-Partner leichter auf deine Bedürfnisse zu reagieren und mit eventuellen Missverständnissen aufzuräumen oder vorhandene Differenzen anzusprechen. Falls du deinem Bauchgefühl aber nicht hundertprozentig vertrauen willst oder dir nicht sicher bist, können dir folgende Punkte dabei helfen, dir ein Bild von deiner Situation zu machen:

Dein Dating-Partner...

  • ist selten erreichbar,
  • hat fast nie Zeit,
  • sagt oft Treffen ab,
  • schreibt kurz angebunden,
  • und/ oder zeigt wenig Eigeninitiative.

Erkennst du dich darin wieder? Dann versuche deinen Dating-Partner darauf anzusprechen. Mit folgenden Fragen kannst du schnell herausfinden, woran du bist und bestehende Zweifel (wenn sie unbegründet sind) schnell aus dem Weg räumen.

  • "Hey, sag mal, ist zwischen uns alles in Ordnung?"
  • “Ich habe das Gefühl, du hast nicht mehr so viel Interesse daran, diese Sache zu verfolgen. Könnte da etwas dran sein?”

Dein Date spielt alles herunter? Und auch zukünftig scheint sich nichts an der Situation zu ändern oder alle oben genannten Punkte verdeutlichen sich nur noch? Dann solltest du nicht darauf warten, dass der andere dich ghosten kann, sondern selbst die Reißleine ziehen – verschwende nicht deine Zeit!

Du wurdest geghostet – was jetzt?

Person schreibt mit Kugelschreiber etwas auf einen Block
© fotografierende/unsplash

Dein Dating-Partner ist spurlos verschwunden und so langsam dämmert es dir: du wurdest geghostet. Doch was nun? Wohin mit den ganzen negativen Gefühlen und Gedanken, wenn sich der andere einfach nicht mehr meldet? Es ist völlig normal und nachvollziehbar, dass du geknickt bist und du solltest deine Gefühle nicht ignorieren. Wir haben vier Tipps für dich, wie du es schaffst, den Schock zu überwinden und mit deinem Ghoster abzuschließen.

1. Akzeptieren & Abhaken

Zuallererst: Strich drunter! Auch wenn es dir schwer fällt, musst du jetzt stark sein und die Situation akzeptieren. Es bringt nichts, dir den Kopf darüber zu zerbrechen, warum es vorbei ist. Den wahren Grund kennt nur dein Ghoster und dieser hat sich ohne deine Gefühle zu berücksichtigen einfach aus dem Staub gemacht. Eine Person, die dich so behandelt, ist es nicht wert, ihr hinterherzulaufen.

2. Mit Freunden darüber reden

Trotzdem solltest du deinen Frust und das entstandene Gefühlschaos natürlich nicht in dich hineinfressen, sondern reden reden reden. Schnapp dir deine Freunde und sprich alles aus, was du auf der Seele hast. Meistens können sie dir auch schon gute Tipps oder einen neuen Blickwinkel auf die Situation geben – von außen sieht man nämlich manchmal das, was einem die rosarote Brille nicht gezeigt hat und es fällt dir leichter, abzuschließen.

3. Ganz klassisch: Schreibe einen Brief

Obwohl dein Ghoster dir die Möglichkeit genommen hat, ihm offiziell deine Meinung sagen zu können, kannst du mit einem kleinen psychologischen Trick deinem Gehirn vorgaukeln, dass das Gespräch doch stattgefunden hat – indem du einen Brief schreibst und diesen an den Ghoster adressierst. Schreibe ihn, lies ihn dir noch einmal durch und zerreiße ihn dann. Damit fällt es dir garantiert ein Stückchen leichter, einen Schlussstrich zu ziehen.

4. In die Offensive gehen

Wenn du deinem Ghoster doch noch einmal schreiben möchtest – manchmal muss das einfach sein – dann achte am besten darauf, nur eine kurze Nachricht zu schicken. Dabei solltest du dir aber keine Hoffnungen auf eine Antwort machen und selbst wenn eine kommt, stark bleiben und nicht wieder darauf eingehen, denn sonst geht das ganze Spiel wieder von vorne los.


Wie geht richtig Schlussmachen?

Bist du vielleicht gerade selbst in der Situation, Schluss machen zu wollen? Oder hast du einfach gemerkt, dass es zwischen dir und deinem Date doch nicht so ganz passt? Dann solltest du spätestens jetzt wissen, dass Ghosting, Breadcrumbing und Co. nicht die feine englische Art sind, sich von einem anderen Menschen zu trennen. Das Motto hierbei lautet: “Was du nicht willst, das man dir tut, das füg' auch keinem andern zu”. Denn so wie in jeder Beziehung oder Dating-Phase, sollte auch danach der anderen Person gegenüber immer respektvoll gehandelt werden. Und dazu gehört auch die Art, wie man Schluss macht.

Sei kein Ghost

Auch wenn Ghosting irgendwo reizvoll ist, um einem unangenehmen Gespräch aus dem Weg zu gehen, solltest du der anderen Person, aber auch dir selbst die Chance dazu geben, Dinge loszuwerden und Gefühle auszusprechen. Denn Unausgesprochenes kann schnell zur seelischen Last werden und sich still und heimlich auch ins nächste Date einschleichen.

Ehrlich währt am längsten

Sei am besten einfach ehrlich und sage der anderen Person in einem persönlichen Gespräch, was dich zu deiner Entscheidung bewegt hat. Auch wenn es im ersten Moment brutal erscheint und dein Gegenüber traurig ist, dauert der Schmerz darüber nicht annähernd so lang wie das Verarbeiten eines Ghostings. Wie Paul Simon bereits in seinem Lied “50 ways to leave your lover” sang: es gibt viele Wege, sich zu trennen. Ghosting sollte aber keiner davon sein.