Altbauwohnungen

In deutschen Städten zählen die Altbauwohnungen zu den begehrtesten Immobilien. Und das zu Recht: Die Altbau-Ära endete vor schätzungsweise 70 Jahren, als es zunehmend zum Einsatz von Betonwänden und Isolierglasfenstern kam. Somit sind diese Gebäude gefüllt mit Geschichten aus der sogenannten Gründerzeit um 1900. Das drückt sich auch in der Architektur und den Räumlichkeiten aus, die dem Stil der Renaissance entsprechen.

Lesedauer: 8 Minuten

Altbaufassade mit Ornamenten
© cmfotoworks/Fotolia

Die wichtigsten Merkmale von Altbauwohnungen

Altbauten werden durch verschiedene charakteristische Bauelemente gekennzeichnet. Oft bestehen die Wände aus Mauerwerk und die Decken sind mit urigen Holzbalken durchzogen. Als eine der ältesten Fensterformen, sind die Kastenfenster ebenfalls ein Bestandteil von Altbauwohnungen. Sie bestehen aus Doppelfenstern, bei denen die Fenster in einem Kasten eingebaut sind. Zwischen diesen beiden Fenstern befindet sich ein kleiner Luftraum.

Hohe Decken, meist mit antikem Stuck versehen, sind in Altbauwohnungen ein Standard, die Höhe bewegt sich zwischen 3 und über 4,5 Metern. Nicht untypisch sind auch kleine Durchgangszimmer und enge Vorratsräume, die sich in unmittelbarer Nähe zur Küche befinden. Das charmante, leise Knarren von alten Dielenböden und Parkett runden das Bild der Altbauwohnung ab. Viele Altbauten stehen in Deutschland unter Denkmalschutz. Die Gemeinde, in der das Gebäude steht, entscheidet hierbei, ob ein Altbau unter Denkmalschutz gestellt wird. Es ist entscheidend, ob das Gebäude in kultureller oder wissenschaftlicher Hinsicht bedeutend ist.

  • Wände aus Mauerwerk
  • Hohe Decken mit Holzbalken durchzogen
  • Kastenfenster und Flügeltüren
  • Kleine Durch-gangszimmer

Die Vor- und Nachteile einer Altbauwohnung

Vorteile

  • Die Kastenfenster bieten einige Vorteile: Der Luftraum zwischen den Fenstern fungiert als Puffer: Er hält die warme Luft drinnen und die kalte Luft draußen. Außerdem wird der Schall isoliert.
    Die beiden Eigenschaften werden zwar den heutigen Anforderungen nicht mehr ganz gerecht, bieten aber neben des tollen Aussehens auch einen angenehmen Nebeneffekt.
  • Die hohen Decken vermitteln den Eindruck von Freiheit und mehr Platz. Sie bieten großen Gestaltungsfreiraum.
  • Besitzer eines unter Denkmalschutz stehenden Altbaus haben die Möglichkeit, 90% der Sanierungskosten über einen Zeitraum von 10 Jahren steuerlich abzusetzen.
  • Hübsche Raum- und Treppenhausgestaltung: Stuck an den Decken, alte Holzgeländer aus aufwendiger Schreinerarbeit und Ornamente auf den Fliesen machen Altbauten zu etwas ganz Besonderem.
  • Alte Gebäude sind häufig unterkellert und bieten somit zusätzlichen Stauraum beispielsweise für Fahrräder. Keller sind in Großstädten sonst eher selten.

Nachteile

  • Ein hoher Renovierungsbedarf ist nicht unüblich. Das ist natürlich mit einigen Kosten verbunden.
  • Die Kastenfenster erschweren das Fensterputzen, häufig hat sich mit den Jahren Dunst abgesetzt und die Fenster werden “blind”.
  • Bei hohen Decken dauert es einige Zeit, bis sich die Räume aufgeheizt haben. Wärme steigt bekanntlich nach oben, sodass man häufig kalte Füße bekommt. Fußboden- oder auch Wandheizungen sorgen für ein angenehmes Klima.
  • Altbauten sind oft hellhörig, das liegt an dünnen Zwischenwänden. Sie bedeuten auch eine geringere Schutzbarriere bei Bränden in Nachbarwohnungen.
  • Bei Belastung können die Balkendecken schwingen. Das Knarren und Knacken der Bodendielen wird oft als störend empfunden.
  • Mehrere Stockwerke sind bei Altbauten die Regel, leider gibt es häufig keinen Fahrstuhl. Für Senioren bietet sich die Möglichkeit, nach Absprache mit den Nachbarn, einen Treppenlift installieren zu lassen.

Für wen sind Altbauwohnungen geeignet?

Bei Wohnungen im Altbau gibt es keine Grenzen, was die Bewohner betrifft. Von der Studentenbude nahe des Stadtzentrums, über eine kernsanierte Luxuswohnung für Paare oder junge Familien bis hin zur gemütlichen Singlewohnung ist eigentlich alles dabei. Hier verraten meist die Kosten den Zustand des Objektes.

Studierende

In den Großstädten Deutschlands sind viele Altbauten ein Unterschlupf für Studentenverbindungen und WGs. Die Miete wird untereinander geteilt und somit bezahlbar. Die vielen kleinen Zimmer bieten Platz für 3 bis 4 Studenten. Das unverwechselbare Flair einer Altbauwohnung ist bei vielen jungen Erwachsenen sehr beliebt. Mit Renovierungs- oder Sanierungsaktionen sind vielbeschäftigte Studierende aber meist überfordert. So befinden sich die Wohnungen oftmals seit vielen Jahren im renovierungsbedürftigen Zustand, versprühen aber eine unglaubliche Anziehungskraft auf die jüngere Generation. Die häufig ausgezeichnete Lage nahe der Universität ist darüber hinaus ein schöner Nebeneffekt.

Paare und Familien mit 1-2 Kindern

Berufstätige Paare ohne Kinder haben in Altbauwohnungen die Möglichkeit, sich zu entfalten und zu festigen – vielleicht auch das Fundament für eine Familiengründung zu legen. Denn Altbauten vermitteln den Eindruck von Standfestigkeit und Langlebigkeit. Es gibt viel Platz, der Partner kann sich jederzeit zurückziehen. Je nach Objekt kann eine Sanierung, oder Renovierung vorgenommen werden, um die Wohnung angemessen zu modernisieren. In Kombination mit einer gehobenen Einrichtung bildet die Altbauwohnung ein einzigartiges Wohnumfeld. Aufgrund der hohen Decken bietet sich die Möglichkeit, Hochbetten im Kinderzimmer aufzustellen, was bei Kindern sehr beliebt ist.

Singles

Weit verbreitet sind natürlich auch die kleineren Wohnungen in den traditionellen Gebäuden. Diese eignen sich daher auch perfekt für Alleinstehende. Die kleinen Räume vermitteln Gemütlichkeit und Vertrautheit. Zudem können verschiedenste Einrichtungsstile mit den typischen Komponenten der Altbauwohnung kombiniert werden, so ist eine Individualisierung einfach umsetzbar.


Das ist beim Kauf/Mieten einer Altbauwohnung zu beachten

Bevor Sie sich für eine Wohnung in einem Altbau entscheiden, sollten Sie sich genau über den baulichen Zustand des Gebäudes und der Wohnräume informieren. Ist der Altbau nicht renoviert oder saniert, so können Beschädigungen an der Außenfassade für Feuchtigkeit in der Wohnung sorgen und im schlimmsten Falle sogar der Grund für Schimmel an den Wänden sein! Wenn Sie sich für den Kauf einer Altbauwohnung interessieren, sollten Sie einen Baufachmann zu Rate ziehen. So kann eine umfassende Analyse der notwendigen Instandsetzungsarbeiten vorgenommen werden. Bei Renovierungsarbeiten ist es oftmals erforderlich, die Statik der tragenden Elemente nachzubessern, um eine Standfestigkeit der Bausubstanz weiterhin zu gewährleisten.

Familie beim Einzug in eine Altbauwohnung
© LuminaStock/iStock

Beim Mieten einer Altbauwohnung ist es nicht unüblich, dass der Vermieter die Miete senkt. Das gilt allerdings nur, wenn der Mieter die Kosten für die Renovierung und Sanierung übernimmt. Hier ist Vorsicht geboten. Es sollte schriftlich genau festgelegt werden, was der Mieter sanieren muss. Eine Kalkulation der möglicherweise anfallenden Kosten muss unbedingt vorgenommen werden, denn je nach Sanierungsbedarf können diese in den sechsstelligen Bereich hochschießen. Alle Veränderungen an der Wohnung müssen unter Vereinbarung mit dem Vermieter geschehen, denn bei der Abgabe der Wohnung kann es dazu kommen, dass die Wohnung in den ursprünglichen Zustand zurückversetzt werden muss.

Heizsysteme für Altbauwohnungen

Günstig und warm durch den Winter kommen. Das ist in einer Altbauwohnung gar nicht mal so einfach. Zudem wird heutzutage auf hohe Klimafreundlichkeit gesetzt. Eine zu niedrige Zimmertemperatur erhöht die Schimmelbildung an kalten Außenwänden. Wird die Temperatur zu hoch geregelt, schießt die Nebenkostenrechnung in die Höhe und das Klima wird unnötig belastet. Eine Erhöhung der Temperatur um nur einen Grad Celsius sorgt schon für eine Steigerung der Heizkostenrechnung um sechs Prozent.

Tipps zum richtigen Heizen:

  • In Wohn- und Arbeitsräumen kann die Heizung eine Stunde vor der Nachtruhe heruntergestellt werden. Dabei kann man circa 26 Prozent der Kosten senken. Praktisch sind hierbei Zeitschaltungen an der Heizung.
  • In selten benutzten Räumen kann die Temperatur generell niedriger sein. Doch eine Temperatur unter 15 Grad sorgt für eine Kondensation der feuchten Raumluft an den Wänden, was für ein erhöhtes Schimmelrisiko sorgt.
  • Zwischen kühleren und wärmeren Räumen sollten die Türen geschlossen sein, um das ungewollte Mitheizen der kühleren Räume zu vermeiden.
  • Eine Stunde vor dem Erwachen sollte die Heizungsanalge wieder anspringen, sodass es beim Aufstehen in der Wohnung bereits warm ist.
  • Während eines Urlaubs kann die Heizung heruntergeregelt werden. 15 Grad Raumtemperatur sind ausreichend.
  • Nach Einbruch der Dunkelheit kann der Wärmeverlust bei alten Fenstern durch das Herunterlassen der Rollläden vermieden und reduziert werden.
  • Um eine reibungslose Wärme- und Luftzirkulation zu gewähren, sollten keine Möbel vor den Heizkörpern platziert werden. Auch zwischen Möbel und Außenwand sollte ein Abstand zwischen fünf und zehn Zentimetern herrschen, damit die Raumluft auch hinter dem Inventar in Bewegung bleibt und die Außenwand nicht zu sehr auskühlt.

Wie ist eine Altbauwohnung einzurichten?

Die Möglichkeiten für ein einzigartiges Wohnumfeld sind im Altbau grenzenlos. Die Weitläufigkeit der Räume und die hohen Decken bieten viele Freiheiten. Allerdings sollte die Einrichtung gut geplant werden, damit die Möbel am Ende nicht verloren wirken.

Tipps in der Übersicht

  • Bücherwände bis unter die Decke
  • Polstermöbel und verschieden lange Deckenleuchten
  • Dunkle Wand- und Tapetenfarben erlaubt
  • Altem Dielen- und Parkettboden mit Klarlack zu neuem Glanz verhelfen
  • Spiegel zur optischen Vergrößerung des Flurs

Die richtige Möblierung

Für zusätzlichen Stauraum können beispielsweise Regale bis unter die Decke angebracht werden. Besonders hohe Bücherwände ergänzen perfekt den Altbaucharme. Eine Kombination aus antik und modern bewahrt die Identität des Altbaus und schafft gleichzeitig ein einzigartiges Innenleben. Es sollte jedoch darauf geachtet werden, dass nicht zu viele verschiedene Holzfarbtöne zusammengebracht werden.

Für eine optimale Beleuchtung sollten Lampen mit großen Schirmen oder Leuchtmitteln gewählt werden, um an hohen Decken Akzente zu setzen. Sehr beliebt sind momentan Polstermöbel in allen Ausführungen. Sie unterstützen den antiken Charme der Wohnung und bieten maximale Gemütlichkeit. Oft fällt die Wahl hier auf Ohrensessel und Sofas mit überzogenem Samt.

Zur Dekoration eignen sich natürlich große Bilder, Gemälde oder Poster, die auf den Wänden genügend Platz finden, um ihre Wirkung zu entfalten. Für Bildergalerien können verschiedene Rahmen verwendet werden. Der “zusammengewürfelte” Look gewinnt immer mehr an Popularität. Beliebt sind auch Blumenampeln, Mobiles und Hängeleuchten, die an der Decke angebracht werden.

Frau vor einer Bücherwand in einer Altbauwohnung
© radu-marcusu/unsplash

Wandfarbe oder Tapete?

Auch bei der Wahl der Wandfarbe kann man ruhig beherzt zu dunklen Farbtönen greifen! Viele Räume wirken zwar durch dunkle Farben kleiner, bei großen und hohen Räumen ist das aber oft wünschenswert. Zudem wird dem Raum Exklusivität verliehen. Alternativ bieten sich auch graubraune Farbnuancen mit leichtem Lila- oder Violettstich an, die in Kombination mit Erdtönen der Wohnung ein mediterranes Flair verleihen. Sehr beliebt sind auch Tapeten mit floralen und barocken Mustern. Es empfiehlt sich, Papiertapete zu wählen, denn die Wände in Altbauwohnung sind oft nicht vollkommen gerade und häufig gibt es Dellen. Die Papiertapeten passen sich den Unebenheiten an, da sie sich bei Feuchtigkeit ausdehnen. Ist die Wohnung bereits saniert, können auch Vliestapeten verwendet werden. Beim Tapezieren wird bei dieser Art Tapete kein Tapeziertisch benötigt. Der Kleister wird auf die Wände gestrichen und die Tapete wird daraufhin in das Leimbett gelegt.

Dielen, Parkett und Fliesen

Moderne Fußböden wie Laminat, oder ein Untergrund aus Terrakottafliesen passen weniger gut zu einem Altbau. Es lohnt sich den originalen Fußboden entweder freizulegen, oder zu restaurieren. Echter Dielen- oder Parkettboden kann nach dem Abschleifen durch Lack individuell gestaltet und angepasst werden. Um dem Landhausstil gerecht zu werden, kann man den ursprünglichen Farbton des Fußbodens durch Klarlack zu neuem Glanz verhelfen. Wer seine Wohnung gern minimalistisch und “clean” halten möchte, kann die Dielen weiß lackieren. In der Küche kann man ruhig auf Fliesen mit Schachbrettmuster setzen. Häufig sind die Küchen bereits mit wunderschön verzierten Fliesen versehen, die in Kombination mit einer reinweißen, oder dunklen Küchenzeile aus Holz einen unverwechselbaren Zauber entfachen.

Helles, lichtdurchflutetes Wohnzimmer in einer Altbauwohnung
© CreativaStudio/iStock

Herrschaftliches Ambiente durch Flügeltüren

Besonders in nicht renovierten Altbauwohnungen sind die alten Flügeltüren, die oft nicht mehr richtig in den Angeln sitzen, nicht besonders schön anzusehen. Es lohnt sich aber Arbeit zu investieren und dafür zu sorgen, dass die Türen wieder in neuem Glanz erstrahlen. Sie unterstreichen den Suite-Carakter und wirken hochherrschaftlich. Wenn Sie neue Türen einsetzen wollen, oder die ursprünglichen Türen nicht mehr zu retten sind, achten Sie darauf, dass die Türen aus ähnlichem Holz gefertigt sind und eventuelle Verzierungen nicht zu sehr in Kontrast zu Stuck, oder anderen Elementen der Wohnung stehen.

Flur nicht außer Acht lassen

Der Flur sollte der einladende Eingangsbereich sein. In Altbauwohnungen ist dieser meistens ein schmaler Schlauch. Der Grund – als bloßer Eingangsbereich nahm er damals eigentlich nur Platz weg. Um den Raum größer wirken zu lassen, sollten keine großen Möbelstücke platziert werden. Der Spiegel mit zur Einrichtung passendem Rahmen kann den Flur optisch vergrößern.