Passivhaus – So funktioniert modernes Energierecycling

Mit einem Passivhaus können Sie langfristig Energie und auch damit verbundene Kosten sparen und dabei auch noch der Umwelt etwas Gutes tun. Was genau diesen modernen Gebäudestandard beim Energiesparen so effizient macht, wie er funktioniert und welche anderen Energiesparhaus-Modelle es noch gibt, erfahren Sie in diesem Artikel.

Eine Reihe Passivhäuser
© piovesempre/istock

Was ist ein Passivhaus?

Wie das Wort “passiv” schon vermuten lässt, wird bei einem solchen Haus die Wärme nicht aktiv generiert, sondern durch ein besonderes Zu- und Abluftsystem aus passiven Wärmequellen bezogen. Diese sind einerseits die externe Sonneneinstrahlung und andererseits interne Wärmeerzeugnisse von den Bewohnern des Hauses sowie Elektrogeräten des täglichen Gebrauchs, die ebenfalls freigesetzte Energie an ihre Umgebung weitergeben.

Der Clou: Durch eine besonders effiziente Gebäudehülle in Kombination mit entsprechend gedämmten Wänden und Fenstern, wird nicht nur der Wärmeverlust minimiert – es wird sogar eine Wärmerückgewinnung ermöglicht. Somit recycelt das Passivhaus seine eigene Wärme und nutzt nur bei Bedarf eine Zuluftnachheizung, wodurch eine separate Heizung nicht mehr benötigt wird.

Wie funktioniert ein Passivhaus?

Neben der guten Wärmedämmung der Gebäudehülle, also der Außenwände und Fenster (hierbei wird meist auf dreifache Wärmeschutzverglasung zurückgegriffen) ist es essentiell für die Wärmerückgewinnung, dass die Luft im Passivhaus mithilfe eines sogenannten EC Ventilators in einer Art Kreislauf zirkuliert. Hierbei wird eine Lüftungsanlage genutzt, die das Haus durchgehend mit Frischluft versorgt und Fortluft kontrolliert hinaus lässt. Dabei überträgt sich die Wärme, die sich bereits im Haus befindet durch einen Luft/Luft-Wärmetauscher auf die kühle Frischluft und heizt diese auf natürliche Art auf. Dadurch können bis zu 75% der Wärme recycelt werden. Zusätzlich sind eine Ausrichtung des Hauses nach Süden, um im Winter möglichst viel Sonnenlicht als Wärmequelle nutzen zu können, sowie eine gute Verschattung weitere Faktoren, die die Nutzung passiver Energie begünstigen.

Vor- und Nachteile eines Passivhauses

Vorteile

  • Geringe Nebenkosten
  • Bis zu 4.000 kg weniger CO2-Ausstoß pro Jahr als bei herkömmlichen Gebäuden
  • Unabhängig vom Preisanstieg der Energiekosten
  • Lange Haltbarkeit der Baustoffe
  • Die Heizkosten sind 80% niedriger als bei herkömmlichen Häusern.
  • Vermindertes Risiko für Schimmelbildung
  • Sehr guter Schallschutz durch die Dämmung
  • Ein Brennstofflager und ein Schornstein werden nicht benötigt.
  • Es wird keine Heizungsanlage benötigt.

Nachteile

  • Hohe Investitionskosten
  • Aufwendige Regulierung der Warmluftströme für die einzelnen Räume
  • Lebensweise muss an die Bedingungen des Passivhauses angepasst werden
  • Schnelles Aufheizen des Passivhauses im Sommer
  • Bei einem Stromausfall kommt es zum Stillstand der Lüftungsanlage
  • Niedrige Luftfeuchtigkeit in den Wintermonaten
  • Eine regelmäßige Kontrolle des Energieverbrauchs ist erforderlich
  • Hohes Fehlerrisiko bei der Installation der Lüftungsanlage

Ab wann lohnt sich ein Passivhaus?

Beleuchtetes Einfamilienhaus in der Dämmerung
© in4mal/iStock

Mit einer Amortisation der Investitionskosten kann bereits nach etwa 10 Jahren gerechnet werden. Zudem werden Energiesparhäuser durch Investitions- und Tilgungszuschüsse sowie zinsgünstige Baudarlehen staatlich gefördert!


Das müssen Sie beim Bau beachten

Welche Regeln gelten für Hausbesitzer und Bauherren?

Wer ein Haus bauen oder umbauen möchte, muss sich dabei grundsätzlich an die Richtlinien Energiesparverordnung (EnEV) halten. Diese bestimmt seit 2002, welche bautechnischen Anforderungen Bauherren zu beachten haben, um energieeffiziente Gebäude zu erschaffen. Sie ist ein Instrument der Politik, um Klimaschutzziele zu erreichen und Energieeinsparungen möglich zu machen. Die vorher gültige Heizungsanlagenverordnung sowie die Wärmeschutzverordnung wurden durch die EnEV abgelöst.

Weitere spezifische Anforderungen an Passivhäuser werden darüber hinaus vom Passivhaus Institut vorgegeben. Auch hierbei gilt es, drei zentrale Richtwerte zu beachten, die wir hier für Sie auf einen Blick dargestellt haben:

Die Anforderungen:

  • Der maximale jährliche Heizenergieverbrauch pro Quadratmeter beträgt bei Passivhäusern 15 Kilowatt, welcher etwa 1,5 Litern Heizöl entspricht.
  • Auch darf eine Heizlast von 10 Watt pro Quadratmeter nicht überschritten werden.
  • Darüber hinaus muss der Bedarf an erneuerbarer Primärenergie auf 60 Kilowattstunden pro Quadratmeter pro Jahr beschränkt sein.

Die 4 Grundprinzipien eines Passivhauses

Bei der Wahl der richtigen Gebäudehülle müssen zwei Dinge beachtet werden: Zum einen sollen die Außenwände des Passivhauses über eine ausreichende Wärmedämmung verfügen. Das bedeutet, dass alle opaken Bauteile einen maximalen Wärmedurchgangskoeffizienten von 0,15 Watt pro Quadratmeter und Kelvin aufweisen dürfen. Zum anderen ist auch die damit verbundene Luftdichtheit der Außenhülle entscheidend. Hierbei sollen Leckagen vermieden werden, die beispielsweise durch fehlerhaft gefüllte Fugen entstehen können. Bereits bestehende Leckagen sollten bei einem Test, in dem ein Über- bzw. Unterdruck von ca. 50 Pascal hergestellt wird, einen Wert von 0,6 Hausvolumen pro Stunde unterschreiten.
Da auch Fenster zur Außenhülle eines Hauses zählen und besonders anfällig für Wärmeverlust sind, sollten diese ebenfalls sorgfältig gewählt werden. Es empfiehlt sich, Fenster mit Dreifachverglasung auszuwählen. Grundsätzlich sollten diese jedoch einen maximalen Wärmedurchgangskoeffizienten von 0,80 Watt pro Quadratmeter und Kelvin haben.
Das Herzstück der Funktionsweise des Passivhauses bildet der Wärmetauscher, durch den sich simpel ausgedrückt der Austausch von frischer Kaltluft und verbrauchter Warmluft vollzieht. Hierbei vollzieht sich eine sogenannte Luftwärmerückgewinnung, bei der mindestens 75% der sich im Haus befindlichen Wärme durch die Übertragung auf die Kaltluft recycelt werden. Der Wärmetauscher garantiert darüber hinaus eine konstant gute Raumluftqualität.
Wärmebrücken nennen sich Bereiche in Gebäudebauteilen, welche Wärme besonders gut leiten und diese dadurch schneller nach außen bringen. Das können Ecken und Kanten, aber auch Anschlüsse und notwendige Durchdringungen der Fassade sein. Da der Wärmeverlust bei Passivhäusern so gut es geht vermieden werden soll, müssen eventuelle Wärmebrücken vor dem Bau unbedingt bedacht und sorgfältig geplant werden.

Was ist der Unterschied zum Niedrig- und Nullenergiehaus?

Neben dem Passivhaus gibt es noch viele weitere Formen von Energiesparhäusern. Dazu gehören unter anderem das Niedrigenergiehaus sowie das Nullenergiehaus, wobei das Passivhaus eine der beliebtesten Form von Effizienzhäusern darstellt. Der Unterschied liegt meistens in den verwendeten Energiequellen und ob diese externer oder interner Natur sind. Doch auch die Investitionskosten bilden einen entscheidenden Faktor:

Niedrigenergiehaus
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Nullenergiehaus
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Niedrigenergiehaus

Grundsätzlich ist jedes Haus, welches heutzutage neu gebaut wird aufgrund der Energiesparverördnung (EnEV) ein Niedrigenergiehaus. Dieses darf jährlich einen Heizenergieverbrauch von maximal 70 Kilowattstunden pro Quadratmeter (oder auch 7 Liter Heizöl) aufweisen. Das Passivhaus kann als erweiterte und noch effizientere Form eines Niedrigenergiehauses betrachtet werden. Es unterliegt einer Verbrauchsbeschränkung von nur 1,5 Litern Heizöl oder 15 Kilowattstunden pro Quadratmeter im Jahr, ist jedoch dadurch auch investitionskostenintensiver als ein Niedrigenergiehaus.

Nullenergiehaus

Das Nullenergiehaus geht noch einen Schritt weiter beim Sparen von Energie: Denn anders als ein Passivhaus, welches auf ein Zuluftnachheizungssystem angewiesen ist, schafft es ein Nullenergiehaus übers Jahr seinen eigenen Energieverbrauch zu decken. Zusätzlich zu der energiesparenden Bauweise eines Passivhauses ist in Nullenergiehäusern oft noch eine Photovoltaikanlage zur Energieproduktion installiert, die den Restbedarf an Energie generiert. Im Vergleich zum Passivhaus ist dieses Energiesparmodell jedoch deutlich komplexer in seiner Bauweise und verlangt deutlich höhere Investitionskosten.

Fazit

Ob Nullenergie-, Niedrigenergie- oder Passivhaus: Die Energiesparverordnung lässt einen beim Bau eines neuen Hauses nicht drum herum kommen, ein Energiesparhaus zu bauen. Für welches der drei vorgestellten Modelle Sie sich letztendlich entscheiden, hängt immer auch damit zusammen, wie viel Kapital Sie in Ihr neues Haus investieren können und wollen und ob sich Ihr Altbauhaus dazu eignet, umgebaut zu werden. Wenn Sie der Umwelt jedoch einen Gefallen tun, langfristig energiesparsam leben und eine mittelhohe Investition leisten wollen, lohnt sich der Bau oder Umbau eines Passivhauses!