Niedrigenergiehaus - So leben Sie energieeffizient im Eigenheim

Ein energieoptimiertes Eigenheim – Das ist nicht nur für die Umwelt, sondern auch für den eigenen Geldbeutel von Vorteil. Der Begriff Niedrigenergiehaus ist rechtlich nicht eindeutig definiert, die Energieeinsparverordnung enthält jedoch einige Vorgaben und Richtlinien, die erfüllt sein müssen.

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Ein Niedrigenergiehaus von außen
© KatarzynaBialasiewicz/iStock

Was ist ein Niedrigenergiehaus?

Seit 2002 gelten die Vorgaben der Energieeinsparverordnung, welche von jedem Bauherrn eingehalten werden müssen. Falls Sie ein neues Haus bauen, werden Sie also automatisch ein Niedrigenergiehaus bauen. Sie haben jedoch auch die Möglichkeit Ihren Altbau vorschriftsgemäß umzubauen.
Simpel gesagt, ist ein solches Haus jenes, das besonders wenig Energie verbraucht.
Heutzutage dürfen Neubauten nur noch einen Heizenergieverbrauch von maximal 70 Kilowattstunden pro Quadratmeter im Jahr (oder auch 7 Liter Heizöl) aufweisen. Eine gute Wärmedämmung, vollautomatisch geregelte, auf die Bewohner abgestimmte Heizungen und Lüftungsanlagen gehören ebenfalls zu den Merkmalen eines Niedrigenergiehauses. Bei Altbauten gilt: Die Wärmedämmung der Gebäudehülle muss im Durchschnitt 15 % effizienter als bisher sein, die vorhandenen Nachtstromspeicherheizungen, die älter als 30 Jahre sind, müssen bis 2019 durch effizientere Geräte ersetzt werden und der gesamte Jahresprimärenergiebedarf muss künftig um 30% niedriger liegen als bisher.

Das müssen Sie beim Bau beachten

Damit Sie Ihr neues Haus als Niedrigenergiehaus bezeichnen können oder falls Sie Ihr altes Haus als eines umbauen möchten, gibt es einige Dinge zu beachten.

Gebäudeform und Ausrichtung der Räume

Erst einmal müssen Sie sich für eine Gebäudeform entscheiden. Diese sollte möglichst kompakt und wenig verwinkelt sein. Denn mehr Gebäudehülle bedeutet, dass Sie mehr dämmen müssen und mehr Energie entweichen kann.
Ebenso wichtig ist die Ausrichtung der verschiedenen Räume in Ihrem Haus. Räume in denen Sie sich häufig aufhalten, wie Ihr Wohnzimmer, sollten nach Süden hin ausgerichtet sein und mit großen Fensterfronten ausgestattet werden, die möglichst energiedurchlässig sind. So können Sie im Sommer Wärme speichern, die durch die Sonne in Ihr Haus gelangt. Dennoch sollten Sie darauf achten, dass genügend Schatten vorhanden ist um ein übermäßiges Aufheizen des Hauses zu verhindern. Andere Räume wie Küche oder Bad sollten nach Norden ausgerichtet werden und benötigen nicht all zu große Fenster.

Die richtige Dämmung

Eine gute Dämmung der Außenwände und des Daches ist eine der wichtigsten Voraussetzungen.
Besonders ausschlaggebend ist der U-Wert eines Bauteils. Dieser ist der Wärmedurchgangskoeffizient und gibt den Wärmestrom an, der zwischen der kalten und warmen Seite des Bauteils besteht.
Die Einheit W/(m²K) gibt also an, wie viel Wärme (in Watt=W) pro Quadratmeter (m²) je Grad Temperaturdifferenz (in Kelvin=K) fließt.
Je niedriger der Wert ist, desto besser sind die Dämmeigenschaften. Grundsätzlich sollten Ihre Außenwände einen Wert von 0,2 W/(m²K) aufweisen, während der Ihres Daches maximal 0,15 W/(m²K) betragen sollte, was eine Dämmstoffdicke von 25 bis 30 cm bedeutet.

Handwerker bei der Dämmung eines Daches
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Es gibt zwei Arten der Dachdämmung: Die Aufsparrendämmung und die Zwischensparrendämmung. Die Aufsparrendämmung gilt als die effizienteste, aber auch teuerste Lösung um Ihr Dach zu dämmen. Da das Dämmmaterial außerhalb der Sparren, das sind die Balken auf denen das Dach liegt, aber unter den Dachziegeln angebracht wird, muss das Dach komplett neu eingedeckt werden, was einige Kosten verursacht.
Entscheiden Sie sich für die Zwischensparrendämmung werden im Gegensatz zur Aufsparrendämmung lediglich die Zwischenräume der Sparren mit Dämmmaterial gefüllt. Diese Variante ist zwar deutlich kostengünstiger, doch weniger energieeffizient, da Wärmebrücken entstehen können.

Wärmebrücken sind Bereiche in Bauteilen eines Gebäudes, die Wärme besser leiten und somit nach außen dringen lassen

Die richtige Lüftung

Jeder weiß, dass richtiges Lüften eine Menge Energie sparen kann und wichtig für ein gutes Raumklima ist. In Niedrigenergiehäusern spielt die richtige Lüftung jedoch eine wesentlich wichtigere Rolle. Denn durch die gute Dämmung kann die Luftfeuchtigkeit schlechter entweichen und es ist umso wichtiger für einen regelmäßigen Luftaustausch zu sorgen. Da regelmäßiges Lüften jedoch auch mit einem hohen Energieverlust verbunden ist, bietet es sich an auf eine Lüftungsanlage zurückzugreifen. Diese tauschen nur so viel Luft aus, wie wirklich benötigt wird und Sie vergeuden keine Energie.

So sollten Sie am besten heizen

Wer energiesparend wohnen möchte, muss sich auch für eine effiziente Art und Weise zu heizen entscheiden. Mittlerweile haben Sie die Möglichkeit auf die verschiedensten Heizmethoden zurückzugreifen. Besonders energieeffizient und umweltschonend sind natürlich regenerative Methoden wie Photovoltaikanlagen. Diese können zum Beispiel auch in Kombination mit Erdgas verwendet werden.

Vor- und Nachteile eines Niedrigenergiehauses

Vorteile

  • Niedrige Energiekosten und ein gutes Raumklima im Gebäude sprechen für das Niedrigenergiehaus.
  • Rund eine Tonne Kohlenstoffdioxid-Einsparung pro Jahr und Haus im Vergleich zu herkömmlichen Neubauten schont die Umwelt.
  • Die recht hohen Baukosten amortisieren sich im Laufe der Zeit durch die geringen Energiekosten.
  • Für den Neubau oder den Erwerb eines KfW-Effizienzhauses vergibt die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) besonders günstige Kredite.

Nachteile

  • Die Baukosten liegen durchschnittlich 3% bis 8% über dem Bau eines herkömmlichen Einfamilienhauses.
  • Feuchtigkeit kann durch die wärmeisolierten (wasserdampfdichten) Wände kaum entweichen, was Schimmelbildung fördert. Um dies zu vermeiden, werden Lüftungsanlagen verbaut, in denen sich bei unsachgemäßer Handhabung Legionellen (Bakterien) bilden können.

Wichtige Begriffe kurz erklärt

Der Primärenergiebedarf ist die Menge an Energie, die zur Deckung des Energiebedarfs notwendig ist. Das betrifft nur die Energie für Heizung, Warmwasser, Kühlung und Lüftung. Dabei ist aber auch die Energie für vorgelagerte Prozesse, wie bspw. das Gewinnen von fossilen Energieträgern (Abbau, Lagerung, Transport, etc.) mit zu berücksichtigen.
Die EnEv bestimmt seit 2002, welche bautechnischen Anforderungen Bauherren zu beachten haben, um energieeffiziente Gebäude zu erschaffen. Die Energiesparverordnung ist ein Instrument der Politik, um Klimaschutzziele zu erreichen und Energieeinsparungen möglich zu machen. Die vorher gültige Heizungsanlagenverordnung sowie die Wärmeschutzverordnung wurden durch die EnEV abgelöst.
Die Kreditanstalt für Wiederaufbau ist eine Förderbank und für viele Bereiche zuständig: Sie fördert Existenzgründer, kleine Firmen und den Mittelstand, vergibt Bildungskredite und kümmert sich um die Filmfinanzierung. Ein wichtiger Teil der Förderung kommt dem Wohnungsbau und Infrastrukturvorhaben zugute. Übergreifend unterstützt die KfW Umwelt- und Klimaschutzprojekte

Der Unterschied zu anderen Effizienzhäusern

Niedrigenergiehaus von außen
© macniak/iStock

Das Niedrigenergiehaus unterscheidet sich von anderen Effizienzhäusern maßgeblich in der verbrauchten Energie, die zur Wärmegewinnung aufgewandt werden muss.
Bei einem 3-Liter-Haus dagegen liegt der maximale Verbrauch an Heizöl bei 3 Litern oder 34 KWh. Bei einem Niedrigenergiehaus dürfen aber bis zu 70 KWh pro qm und Jahr anfallen. Passivhäuser hingegen dürfen lediglich 1,5 Liter Heizöl oder 15 KWh pro qm im Jahr verbrauchen, ähneln den Niedrigenergiehäusern sonst aber sehr. Man kann also sagen: Ein Passivhaus ist auch ein Niedrigenergiehaus, umgekehrt ist das jedoch nicht zwangsläufig der Fall.

Der direkte Vergleich zwischen Passivhäusern und Niedrigenergiehäusern

Grundsätzlich gilt: Jedes Passivhaus ist ein Niedrigenergiehaus.
Doch wie ist es umgekehrt? Ist auch jedes Niedrigenergiehaus ein Passivhaus? Nein, ist es nicht. Der wohl größte Unterschied ist, dass in einem Passivhaus keine klassische Heizung vorhanden ist. Ein Passivhaus kommt aufgrund der sehr guten Wärmedämmung und eines besonders guten Lüftungssystems theoretisch komplett ohne Heizung aus. Es darf, um sich so zu nennen, 15 kWh, bzw. 1,5 Liter Heizöl pro qm im Jahr nicht übersteigen und die maximale Heizlast liegt bei 10 Watt pro Quadratmeter. Die Wärme in einem Passivhaus entsteht, wie es der Name schon verrät, passiv durch Sonneneinstrahlung oder spezielle Lüftungssysteme. Dieses wandelt beispielsweise die durch Menschen oder technische Geräte abgegebene Wärme in Heizwärme um und sorgt so für eine effiziente Wärmerückgewinnung. Auch stromtechnisch sind Passivhäuser sehr energiesparend, da der benötigte Strom durch Photovoltaikanlagen erzeugt wird. Zudem handelt es sich bei Passivhäusern immer um einen Neubau, während Niedrigenergiehäuser auch aus Altbauten umgebaut werden können. Passivhäuser sind im Bau und der Finanzierung zwar deutlich teurer, werden jedoch auch durch die Kreditanstalt für Wiederaufbau gefördert.

Fazit

Niedrigenergiehäuser sind mittlerweile Standard für Neubauten, doch auch Altbauten werden mittlerweile häufig umgebaut. Denn das Leben in einem Niedrigenergiehaus bietet Ihnen viele Vorzüge. Ihnen wird ein gutes Wohnklima geboten und zusätzlich sparen Sie eine Menge Energie ein, senken Ihren CO2-Verbrauch und leben somit umweltschonender. Die Baukosten sind zwar hoch, doch rentieren sich aufgrund der Energieeinsparung bereits nach kurzer Zeit. Besonders wegen der finanziellen Förderung, sollte einem (Um)Bau zum Niedrigenergiehaus nichts mehr im Wege stehen.